Die Exkurse

Hintergrund: Entstehung der Neuen Liechtensteiner Exkurse

Die in Deutschland bzw. in den USA tätigen Liechtensteiner Wissenschaftler Dr. Norbert Haas, Dr. Rainer Nägele und Dr. Hansjörg Rheinberger führten zwischen 1992 und 2005 sechs Mal mit grossem Erfolg die Tagung Liechtensteiner Exkurse. Nach ihrem Entschluss, nicht mehr selber als Organisatoren der Tagung zu fungieren, bemühten sich die drei Gründer der Exkurse darum, dass eine Trägerschaft in neuer Zusammensetzung entstand. Die Neuen Liechtensteiner Exkurse werden von Prof. Dr. Peter Gilgen und Dr. Pio Schurti organisiert.

Mit den Liechtensteiner Exkursen haben die Gründer eine interessante, ernst zu nehmende Tagung etablieren können, die immer wieder anerkannte, international tätige Geistes- und Naturwissenschaftler sowie Künstler zu interdisziplinären Erörterungen so unterschiedlicher Themen wie «Aufmerksamkeit» oder «Natur» zusammengebracht hat. Die methodische und thematische Vielfalt ist aus den jeweiligen Publikationen ersichtlich.

Von Anfang an war es ein Anliegen der Liechtensteiner Exkurse, die Gastfreundschaft zu erwidern, die liechtensteinische Künstler, Kritiker, Wissenschaftler und ganz allgemein Studierende im Ausland erfahren durften und dürfen (dazu das Vorwort im ersten Exkurse-Band, Im Zug der Schrift).  Diese Tradition soll auch weiterhin gepflegt werden:  Führende Köpfe aus Kunst und Wissenschaft werden gebeten, unserer Einladung nach Liechtenstein Folge zu leisten, um sich hier an einem mehrtägigen Gespräch mit einheimischen und ausländischen Intellektuellen auszutauschen und ein Thema auszuloten, das eine interdisziplinäre Betrachtungsweise erfordert.

Die Exkurse sind seit Beginn einer interdisziplinären Ausrichtung verpflichtet. Was diese Tagung im Vergleich zu unzähligen wissenschaftlichen Konferenzen und Kulturveranstaltungen auszeichnet, ist diese besondere Positionierung zwischen Wissenschaft, Kulturtheorie und Kunst. Typische Exkurs-Fragestellungen — etwa, was Natur sei (Exkurse II) oder Aufmerksamkeit (Exkurse III) oder aktuell, wie über das Animalische und das Tier gedacht werden kann — zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich an eine Vielfalt von kulturellen und wissenschaftlichen Disziplinen richten und sowohl ihre theoretischen als auch praktischen Grundlagen hinterfragen. Die Sammelbände, in welchen die Arbeit der bisherigen Exkurse festgehalten wurde, zeigen, welch innovative Ergebnisse von einer solchen Veranstaltung zu erwarten sind, an der die internen Grenzen von Wissensbereichen und Kulturpraktiken zwanglos selbst zum Thema werden.

Obwohl im akademischen Leben heute oft von der Notwendigkeit interdisziplinären Forschens und Lehrens die Rede ist, obwohl Kunst und Kultur sich traditionell als umfassende gesellschaftliche Praktiken verstehen, sind rigorose und dennoch für die Mannigfaltigkeit verschiedener Denkweisen offene Veranstaltungen, wie sie die Exkurse verkörpern, im internationalen Vergleich Mangelware. Vor allem der besondere Rahmen der Liechtensteiner Exkurse, die weniger in der Form einer traditionellen wissenschaftlichen Tagung als eines eigentlichen Symposiums (im Originalsinn des Wortes) abgehalten werden, trägt zu ihrem Erfolg bei.  Der Diskussion unter den Teilnehmern wird viel Zeit zugestanden, die Form der jeweiligen Präsentationen bleibt dem Vortragenden überlassen. Eine grosse Anzahl der bisherigen Beiträge hat sich denn auch durch ihr performatives Element ausgezeichnet. So gab es etwa schriftstellerische und musikalische Vorträge, die mit ihren Erläuterungen nahtlos zu einem Stück verschmolzen und die sich im Grenzgebiet zwischen Kunstdarbietung und wissenschaftlicher Diskussion bewegten. Es ist diese formale Zwanglosigkeit, die — gerade weil sie soviel schwieriger zu handhaben ist als die strikte Formenvorschrift der jeweiligen Disziplin — die Exkurse zu einer einzigartigen Veranstaltung in Liechtenstein und weit darüber hinaus macht. Die Nachfolger der Initiatoren dieser gelungenen Tagungsreihe wünschen sich eine Fortsetzung in diesem Geiste.

Die Organisatoren:     Prof. Dr. Peter Gilgen        Dr. Pio Schurti

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